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German Educational Reconstruction Committee
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German Educational Reconstruction Committee (abgekĂŒrzt: G.E.R. oder auch GER) war ein von deutschen Emigranten in GroĂbritannien in enger Zusammenarbeit mit der Labour Party gegrĂŒndetes Projekt, das sich mit der Planung und Vorbereitung einer Neuordnung des Bildungs- und Erziehungssystems im Nachkriegsdeutschland beschĂ€ftigte. Die GrĂŒndung erfolgte 1943 in London, 1958 wurde die Organisation offiziell aufgehoben.
Contents
âą Nachkriegszeit
âą Quellen
âą Literatur
âą Einzelnachweise
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Reeducation oder Reconstruction?
Schon frĂŒh gab es bei den alliierten BesatzungsmĂ€chten Planungen fĂŒr die Zeit nach einem Sieg ĂŒber Nazi-Deutschland. Das besiegte Land sollte nach seiner militĂ€rischen Niederlage zu einer friedlichen und demokratischen Gesellschaft umgeformt werden, und die Bildungspolitik sollte ein wichtiger Baustein in diesem Prozess sein. Die entsprechenden Planungen liefen bei den Alliierten unter unterschiedlichen Namen: Bei den Amerikanern wurden sie unter dem Begriff Reeducation (oder auch Re-Education) zusammengefasst, die Briten sprachen von Reconstruction, die Franzosen von Mission Civilisatrice und die Sowjets von antifaschistisch-demokratischer Umgestaltung.
Der von den Amerikanern geprÀgte Begriff Reeducation hat sich bis heute als Oberbegriff gehalten und bedeutet Umerziehung. Dieses Konzept war nicht unumstritten.
â«Re-education», verstanden als Urnerziehung, drĂŒckte nicht zuletzt das MachtgefĂ€lle zwischen Siegern und Besiegten aus. In einer kleinen Studie des ehemaligen britischen «education-officer» Ronald Wilson wird allerdings auch nachgewiesen, daĂ diese Bezeichnung schon mit ihrem ersten Auftauchen â nach Wilson hat sie zuerst der britische Diplomat Lord Vansittart 1941 verwendet â in England umstritten war. 1943 sei in England mit dem Ziel, «die Koalitionsregierung davon zu ĂŒberzeugen, daĂ es wichtig sei, Erziehungsfachleuten und Lehrern aus dem deutschsprachigen Europa, die nach GroĂbritannien geflĂŒchtet waren, sobald wie möglich nach Kriegsende die RĂŒckkehr in das Bildungswesen ihres Heimatlandes zu ermöglichen», die freie Vereinigung «German Educational Reconstruction Committee» (GER) gegrĂŒndet worden. Deutsche Emigranten waren maĂgeblich daran beteiligt. Wilson geht es darum zu zeigen, daĂ in der britischen Diskussion schon frĂŒh der intentional und emotional anders besetzte Begriff von «educational reconstruction» neben dem der «re-education» eine Rolle gespielt habe. Im realen Ablauf der Besatzungspolitik stand jedoch zuerst «re-education» im Vordergrund, in der amerikanischen Besatzungszone ebenso wie in der britischen und analog der französischen Zone. Im Rahmen des Potsdamer Abkommens waren die MilitĂ€rregierungen wĂ€hrend der ersten Besatzungsperiode bemĂŒht, die «re-eclucation» als Instrument fĂŒr die EinfĂŒhrung der Demokratie nach ihrem eigenen Muster zu benutzen.cite-ref-1[1]â
Vor diesem Hintergrund ist es sicher kein Zufall, dass eine von deutschen Emigranten mitgegrĂŒndete und mitgetragene Organisation sich auch von der Namensgebung her mehr dem Konzept der reconstruction als der reeducation verpflichtet fĂŒhlte. Schon von ihrem eigenen SelbstverstĂ€ndnis her fĂŒhlten sich viele Emigranten nicht als Besiegte, sondern als die Vertreter des anderen Deutschlands oder des wahren Deutschlands. âDie Organisation setzte sich mit dem Begriff Reconstruction bewusst von der Reeducation-Vorstellung und den Vorhaben aus der amerikanischen Perspektive ab. Sie wollte damit zum Ausdruck bringen, dass das Ziel nicht als eine Umerziehung des gesamten Volkes verstanden werden sollte, sondern als ein konstruktiver Beitrag im Sinne politisch-erzieherischer Hilfeleistung beim Wiederaufbau in einer sich abzeichnenden Zeit der Rat- und Hilflosigkeit in Deutschland.âcite-ref-2[2]
Was war das German Educational Reconstruction ?
Das umfangreich Archivmaterial ĂŒber das G.E.R. lagert heute im Archiv des âInstitute of Educationâ am University College London. Auf der dortigen Homepage wird die Frage, was das G.E.R. sei, folgendermaĂen beantwortet:
âGerman Educational Reconstruction (GER) war eine 1943 in London gegrĂŒndete Freiwilligenorganisation mit dem Ziel, geflĂŒchtete deutsche PĂ€dagogen auf ihre RĂŒckkehr nach Deutschland vorzubereiten. Ihr Hauptaugenmerk galt der Umstrukturierung des deutschen Schulsystems nach âdemokratischen Prinzipienâ. Nach dem Krieg verlagerte sich der Schwerpunkt auf die Förderung der deutsch-britischen Beziehungen; GER agierte als InformationsbĂŒro und förderte die Kommunikations und den Austausch zwischen britischen und deutschen PĂ€dagogen. GER hat eine Vielzahl von AktivitĂ€ten durchgefĂŒhrt, darunter die Organisation von Konferenzen, VortrĂ€gen und Studiengruppen, die Zusammenarbeit mit anderen Freiwilligenorganisationen, die Organisation von Jugendaustausch und Jugendarbeit, die Veröffentlichung und Verteilung von Memoranden, BroschĂŒren und LehrbĂŒchern. GER wurde 1958 aufgelöst.cite-ref-ger-papers-3-0[3]â
Auch wenn hier das Einwirken auf die Nachkriegsentwicklung in Deutschland in den Vordergrund gerĂŒckt wird â es gab auch noch eine andere Aufgabe, und die zielte auf die britische Bevölkerung, die Deutschen gegenĂŒber sehr skeptisch eingestellt war. Ein deutscher Emigrant, Fritz Lustig, der 1939 nach England gekommen war, beschreibt das so:
âIch war seit Jahren daran gewöhnt gewesen, mich zu verstellen, um keinen Preis aufzufallen, keinen Fehler zu machen. In England, dachte ich, wird alles anders. Aber die Stimmung gegenĂŒber FlĂŒchtlingen, zumal jĂŒdischen aus Deutschland, war schlecht. Und ich mit meinem deutschen Namen und deutschen Akzent musste mich wieder zurĂŒckhalten, möglichst wenig sprechen, nicht auffallen.cite-ref-4[4]â
Vielen der GrĂŒnderinnen und GrĂŒnder des G.E.R. dĂŒrften derartige Erfahrungen nicht fremd gewesen sein. Viele von ihnen waren gerade erst aus Internierungslagern auf der Isle of Wight, in Kanada oder in Australien wieder nach England zurĂŒckgekommen, weil sie trotz ihrer anti-nationalsozialistischen Einstellung als Enemy Alien behandelt worden waren. Sie wollten nun âobjektive AufklĂ€rungsarbeit gegenĂŒber einer reservierten britischen Bevölkerung und gegenĂŒber einflussreichen öffentlichen und politischen Stellen ĂŒber die Situation in Deutschland und das deutsche Volk leisten, um das Bild des Deutschen differenziert darstellen zu können.âcite-ref-5[5] Dies bestĂ€tigt auch Fritz Eberhard im Hinblick auf von ihm unternommene AufklĂ€rungsversuche der englischen Ăffentlichkeit:
âDas waren alles Versuche, in England Informationen zu geben und eine notwendige Propaganda gegen ein einseitiges Deutschlandbild zu machen. Die Gegenpropaganda richtete sich in erster Linie gegen Vansittart. Dieser Name war ein Programm. Er war lange Zeit der stĂ€ndige erste Berater der britischen Regierung [âŠ] Dieser Mann war durch viele Jahre der höchste Beamte im englischen Staat, und er hat sich als erster Propagandist gegen Deutschland betĂ€tigt.cite-ref-6[6]â
Um diese doppelte Zielsetzung realisieren zu können, AufklĂ€rung der britischen Ăffentlichkeit und Vorbereitung eines demokratischen Deutschlands, stellte sich das G.E.R. vier Aufgaben fĂŒr seine Arbeit:cite-ref-7[7]
âą Informationen ĂŒber die wirkliche geistige und erzieherische Lage Deutschlands zu sammeln und zu bewerten.
âą VorschlĂ€ge fĂŒr den Neuaufbau der deutschen Erziehung fĂŒr die britische Administration und fĂŒr zukĂŒnftige Mitarbeiter bzw. TrĂ€ger von Einrichtungen des Bildungssystems auszuarbeiten.
⹠Sammlung aller erzieherischer KrÀfte der deutschen Emigration.
âą Aufnahme von Kontakten zu britischen und internationalen Erziehern und JugendfĂŒhrern.
Die GrĂŒndung des G.E.R.
Folgt man Fritz Borinski, dann verdankt sich die GrĂŒndung des G.E.R. einem glĂŒcklichen Zufall. Auf der RĂŒckreise aus der Internierung in Australien nach England unterhielt er sich im November 1941 mit einem anderen Ex-Internierten ĂŒber die Zukunft. Sein GesprĂ€chspartner wollte EnglĂ€nder werden, Soldat werden, die neue Heimat verteidigen. Borinski wollte Deutscher bleiben, glaubte an und hoffte auf die Niederlage Hitlers und wollte âden Aufbau eines freien Deutschlands mit Freunden im Exil vorbereitenâ.cite-ref-borinski-ger1960-8-0[8]
Mitte 1942 erhielt, Borinski wohnte inzwischen in London, erhielt er einen Brief von Ilmari Federn,cite-ref-9[9] dem Sohn von Karl Federn. Ilmari Federn hatte auf der Schiffsreise im November das GesprĂ€ch von Fritz Borinski mitangehört, seinen Eltern nach der Ankunft von diesem GesprĂ€ch erzĂ€hlt, und seine Mutter wiederum âhabe darĂŒber mit der Gattin eines hohen Beamten im Board of Education gesprochen, mit der sie gut bekannt seiâ.cite-ref-borinski-ger1960-8-1[8] Federn stellte eine Kontaktaufnahme durch eine Mrs. Wood in Aussicht.
Diese Mrs. Wood war Phylis Wood, die Frau von Sydney H. Wood.cite-ref-papers-of-sydney-herbert-wood-10-0[10] Er war ein guter Kenner des Erziehungswesens in der Weimarer Republik und Bekannter von Carl Heinrich Becker. Woods war âseit 1938 Leiter der Abteilung fĂŒr Lehrerausbildung (..). Acht Jahre lang leitete er auch die Abteilung fĂŒr Nachrichtenwesen und AuĂenbeziehungen des Ministeriums. Am Ende des Zweiten Weltkrieges war er maĂgeblich an der GrĂŒndung von Englands Emergency Training Colleges fĂŒr ehemalige Soldaten und Frauen beteiligt. Seit dem Krieg vertrat er das Ministerium auf der Internationalen Bildungskonferenz in Australien.âcite-ref-11[11]
Wood hatte bereits beim Ausbruch des Zweiten Kriegs den Vorschlag gemacht, dass der British Council in England die kulturelle Gastfreundschaft auf die Deutschen, Ăsterreicher, Polen und Tschechen ausdehne, die hier Zuflucht gefunden hĂ€tten.cite-ref-borinski-ger1960-8-2[8] Seine fĂŒr die damalige Zeit eher ungewöhnliche Initiative fĂŒr eine kulturelle Gastfreundschaft fĂŒr FlĂŒchtlinge wurde zunĂ€chst von der RealitĂ€t eingeholt. Die deutschen Bombenangriffe auf England und die Invasion Frankreichs zwangen den British Council dazu, seine Energien vorerst den alliierten Soldaten, Seeleuten und Fliegern zu widmen.cite-ref-papers-of-sydney-herbert-wood-10-1[10] Doch bereits 1941 forderte Wood die Regierung erneut auf, Schritte zu unternehmen, um deutschen Lehrern und Sozialarbeitern in England zu helfen, sich fĂŒr eine RĂŒckkehr nach Deutschland nach dem Krieg vorzubereiten. Aber auch dieser Versuch erwies sich nicht als erfolgreich. Nachdem mehrere VorstöĂe von Wood zur UnterstĂŒtzung deutscher FlĂŒchtlinge erfolglos geblieben waren, reifte bei ihm und seiner Frau Phyllis der Gedanke, aus eigener Kraft tĂ€tig werden zu mĂŒssen.cite-ref-borinski-ger1960-8-3[8]
Das war die Ausgangssituation fĂŒr die Einladung an Fritz Borinski, der drei Wochen spĂ€ter ein gemeinsames Treffen mit Werner Milch folgte. Vor allem auf Wunsch von Phyllis Wood wurde bald auch Minna Specht hinzugezogen. Die drei entwickelten einen Plan, der mit den Woods abgestimmt wurde: âWir kamen ĂŒberein: keine groĂe, teure Organisation, keine laute PublizitĂ€t, keine theoretischen Diskussionen und Konstruktionen am grĂŒnen Tisch, sondern ein kleiner Arbeitskreis vertrauenswĂŒrdiger Menschen, die in der Stille arbeiteten und zur praktischen Konsequenz bereit, d. h. des ernsten Willens sein sollten, zur gegebenen Zeit nach Deutschland zurĂŒckzugehen.âcite-ref-borinski-ger1960-8-4[8]
Zu dieser Kerngruppe um Borinski, Milch und Specht stieĂen im Winter weitere Personen hinzu:
âą Walter Auerbach
âą Werner Burmeistercite-ref-12[12]
âą Fritz Eberhard
âą Otto Kahn-Freund
âą Magda Kelber
âą Hilde Meisel
Sie alle waren nicht nur geflĂŒchtete Lehrer oder Sozialarbeiter, sondern FlĂŒchtlinge aus politischen GrĂŒnden und politischen Ăberzeugungen. Anders als die Mitglieder der Free German League of Culture in Great Britain, die mehrheitlich der kommunistischen Partei nahestanden, orientierten sich diese G.E.R.-GrĂŒndungsmitglieder eher an den Sozialdemokraten und kooperierten mit der Labour Party, weshalb das G.E.R. auch als Projekt der Union deutscher sozialistischer Organisationen in GroĂbritannien gilt. Zu dieser hatten sich neben der SOPADE, der Exilorganisation der SPD, vor allem Organisationen zusammengefunden, die sich in der Weimarer Republik von der SPD abgespalten hatten (wie die SAP) oder als linke Opposition von auĂen auf diese einwirken wollten (so der ISK). Aus der Union gingen viele Personen hervor, die die sozialdemokratische Nachkriegspolitik in West-Deutschland geprĂ€gt haben.
Einen entscheidenden Fortschritt fĂŒr die Arbeit des noch losen BĂŒndnisses kam im Februar 1943 durch Bertha Bracey, die ÂŁ 100,-- aus einem QuĂ€ker-Fonds zur VerfĂŒgung stellen konnte. Damit war es möglich, Borinski und Milch als SekretĂ€re zu beschĂ€ftigen und Minna Specht als âResearch Assistantâ zu finanzieren. Das war der Startschuss fĂŒr das G.E.R. als Organisation. Im April 1943 wurde dem Komitee ein Board zur Seite gestellt, dessen Vorsitzender Sydney H. Wood wurde, wĂ€hrend Phyllis Wood als Schatzmeisterin fungierte. Weitere Board-Mitglieder waren:
âą Bertha Bracey
âą Fritz Burchardt
âą John MacMurraycite-ref-13[13]
âą Karl Mannheim
Auf der zweiten Sitzung des Boards am 3. Juni 1943 erhielt das bislang noch namenlose Komitee seinen Namen und die ZustĂ€ndigkeiten wurden festgelegt: âWĂ€hrend der Board die Arbeit von G.E.R. nach auĂen veertrat und fĂŒr die Finanzierung sorgte, sollte die pĂ€dagogische Planung auf der deutschen Seite durch einen HauptausschuĂ bestimmt werden, ein âșStanding Committeeâč, dem auĂer den SekretĂ€ren die Leiter der Arbeitsgruppen und Vertreter der deutschen Kirchen und Gewerkschaften angehörten. Board und Standing Committee haben gut zusammengearbeitet.âcite-ref-borinski-ger1960-8-5[8] âAuf der Suche nach einer breiteren Basis fĂŒr eine Erziehungskonzeption befassten sich die einzelnen Arbeitsgruppen innerhalb der Organisation mit VorschlĂ€gen fĂŒr das gesamte Erziehungs- und Bildungwesen. Um die eigenen Vorstellungen umfassend zu fundieren und zu legitimieren, setzte sich GER nicht nur mit der deutschen Situation auseinander, sondern studierte intensiv auch das englische Erziehungssystem sowohl in seiner theoretischen BegrĂŒndung als auch in seiner konkreten Bildungs- und Erziehungspraxis. Bulletins fassten die zum Teil vergleichend ausgerichteten Untersuchungen zusammen. Die Mitglieder von GER fĂŒhrten Wochenendtagungen durch, sie trafen sich mit englischen Erziehern und englischen Studierenden. Wichtig fĂŒr die Arbeit waren Kontakte zu anderen Organisationen in England und auch im Ausland. So entstanden Verbindungen zu deutschen Kriegsgefangenen in England und auch zu Emigrantenorganisationen. Es gab Kontakte zu vergleichbaren Gruppen in den USA, in Schweden und in der Schweiz.âcite-ref-14[14]
AktivitÀten in England bis zum Kriegsende
Selbstqualifizierung und Konzeptentwicklung
Auf die Bedeutung der Selbstqualifizierung als Vorbereitung fĂŒr die RĂŒckkehr nach Deutschland wurde oben schon hingewiesen. Dem diente ein sehr breites Programm.
âAuf der Suche nach einer breiteren Basis fĂŒr eine Eıziehungskonzeption befassten sich die einzelnen Arbeitsgruppen innerhalb der Organisation mit VorschlĂ€gen fĂŒr das gesamte Erziehungs- und Bildungswesen. Um die eigenen Vorstellungen umfassend zu fundieren und zu legitimieren, setzte sich GER nicht nur mit der deutschen Situation auseinander, sondern studierte intensiv auch das englische Erziehungssystem sowohl in seiner theoretischen BegrĂŒndung als auch in seiner konkreten Bildungs- und Erziehungspraxis. Bulletins fassten die zum Teil vergleichend ausgerichteten Untersuchungen zusammen. Die Mitglieder von GER fĂŒhrten Wochenendtagungen durch, sie trafen sich mit englischen Erziehern und englischen Studierenden. Wichtig fĂŒr die Arbeit waren Kontakte zu anderen Organisationen in England und im Ausland. So entstanden Verbindungen zu deutschen Kriegsgefangenen in England und auch zu Emigrantenorganisationen. Es gab Kontakte zu vergleichbaren Gruppen in den USA, in Schweden und in der Schweiz.cite-ref-15[15]â
G.E.R. hatte auĂerdem eine kleine Schriftenreihe, âA series of pamphletsâ, aufgelegt, die sich mit verschiedenen Aspekten des Bildungswesens und des kulturellen Lebens in Deutschland befasste:cite-ref-16[16]
âą Minna Specht and Alfons Rosenberg:cite-ref-17[17] Experimental Schools in Germany
âą Helmut von Rauschenplat:cite-ref-18[18] Vocational Training in Germany
âą Fritz Borinski and Werner Milch: «Jugendbewegung», the Story of German Youth, 1890â1933 (ready shortly)
âą Charlotte Jacob: Experiments with Uprooted Children (ready shortly)
Die vier zuvor genannten Schriften waren 1945 bereits erschienen. âIn active preparationâ befanden sich:
âą Kurt Emmerich and Karl E. Meyer: Christian Education in Post-War Germany
âą Werner Milch and Ernst Schoen: The German Broadcasting System
âą Hans LiebeschĂŒtz (and others): Teaching History in German Schools
âą Fritz Borinski: The Future of German Adult Education
âą Erich Hirsch: Youth Welfare in Post-War Germany
âą Heinz Schuerer: Public Libraries in Germany
Eine von Fritz Borinski bereits 1942 begonnenen Arbeit ĂŒber The German Volkshochschule konnte weder in dieser Reihe noch als eigenstĂ€ndige Publikation erscheinen. Sie wurde erstmals 2014 veröffentlicht.cite-ref-19[19]
Ăber die schon erwĂ€hnte kleine BroschĂŒre hinaus entwickelte auch Minna Specht âim Rahmen des ISK und fĂŒr das âGerman Educational Reconstruction Committeeâ (G.E.R.) Konzepte zur Schulpolitik im Nachkriegsdeutschland und zur Umerziehung der in der NS-Ideologie aufgewachsenen deutschen Jugend (âGesinnungswandel. Die Erziehung der deutschen Jugend nach dem Weltkriegâ, London 1943).âcite-ref-20[20]
Erinnerung an das kulturelle Erbe
Seit 1944 veranstaltete das G.E.R. eine Sammlung von AuszĂŒgen und Kurzschriften, âdie nach dem Kriege als Jugendschriften oder zur Verwendung an Volkshochschulen und LehrerbildungsstĂ€tten in den Dienst einer neuen deutschen Erziehung gestellt werden könntenâ.cite-ref-lesebogen-21-0[21] Das Ergebnis der Sammlung waren 82 Lesebogen (Heftchen), deren innerer roter Faden es war, Interesse an den Wertvorstellungen anderer Kulturen zu wecken, zur VerstĂ€ndigung untereinander und mit anderen Nationen beizutragen und ganz allgemein âHilfen fĂŒr einen demokratische und friedliebende Erziehungâ bereitzustellen.cite-ref-lesebogen-21-1[21] Die Herstellung der Sammlung gestaltete sich schwierig:
âDer Herstellung und Sammlung der Manuskripte standen grosse Schwierigkeiten entgegen: wenige FlĂŒchtline hatten geeignete BĂŒcher, den meisten fehlte es an einer Schreibmaschine, dazu kam die Papierknappheit wĂ€hrend des Krieges, und die grösste Hemmung lag in dem Mangel an Zeit, da alle Mitarbeiter voll beruflich beschĂ€ftigt waren und ausserdem an deutschen und englischen Organisationen mitarbeiteten. Die Schwierigkeiten wurden ĂŒberwunden in einer Gruppenarbeit, bei der oft einer ein geeignetes Buch empfahl oder lieh, ein zweiter den Auszug zusammenstellte, ein dritter das Abschreiben besorgte, wieder andere kollationierten, fachmĂ€nnischen Rat gaben oder AbĂ€nderungsvorschlĂ€ge machten.cite-ref-lesebogen-21-2[21]â
Hinzu kamen die knappen materiellen und finanziellen Ressourcen zur Herstellung der Lesebogen, wie der Schriftwechsel von Martha FriedlĂ€nder mit Werner Milch immer wieder verdeutlicht. Papier war knapp, Portokosten mussten finanziert werden, mal gab es eine Spende aus der ISK-Kasse, mal sollte die G.E.R.-Kasse fĂŒr vorgestreckte Auslagen aufkommen. Zudem war die Zusammenarbeit erschwert, da viele Abstimmungen nur schriftlich erfolgen konnten, was zeitaufwĂ€ndig war und auch schon mal zum Verlust von Briefen oder Manuskripten fĂŒhrte.cite-ref-22[22]
Die Lesebogen verfĂŒgten ĂŒber eine groĂe thematische Bandbreite, die von Albert Schweitzer oder Fridtjof Nansen ĂŒber Erich KĂ€stner und Franz Werfel bis zu dem indischen Autor Dhan Gopal Mukerdschicite-ref-23[23] oder dem Chinesen Chiang Yeecite-ref-24[24] reichte. Die meisten Lesebogen waren auf Deutsch verfasst, aber âeinige englische und ein französischer Lesebogen sollen dem fremdsprachlichen Unterricht neue Stoffe fortschrittlichen Inhalts zufĂŒhrenâ.cite-ref-lesebogen-21-3[21] WĂ€hrend der Zeit der Emigration wurden viele Lesebogen nur mit einfachsten Mitteln vervielfĂ€ltigt. Auch erste lizenzrechtliche Fragen tauchten auf, Nachdruckrechte wurden eingeholt, teilweise auch verweigert. FĂŒr die Nachkriegszeit war offenbar angedacht, die Lesebogen in Zusammenarbeit mit deutschen Verlagen herauszugeben. Aus einem Schreiben von Werner Milch vom 8. August 1946 an Martha FriedlĂ€nder, die zu diesem Zeitpunkt noch in England ist, geht hervor, dass das G.E.R. Richard Schmidt eine Vollmacht erteilt hatte, in seinem Namen die Verhandlungen mit Verlagen zu fĂŒhren.cite-ref-25[25] Richard Schmidt (1884â1966) war der Inhaber der Buchhandlung Robert PeppmĂŒller in Göttingen und langjĂ€hriges ISK-Mitglied. Nach dem Zweiten Weltkrieg trat er der SPD bei und gehörte zu den WiederbegrĂŒndern der Philosophisch-Politischen Akademie.cite-ref-26[26]
In London hatte ein âTextbook Officerâ schon seit Oktober 1944 SchulbĂŒcher der Weimarer Republik auf ihre VerwendungsfĂ€higkeit im Nachkriegsdeutschland geprĂŒft. Diese Arbeit fand ihre Fortsetzung in der Britischen âTextbook Sectionâ in BĂŒnde:cite-ref-27[27] âNach Vorarbeiten in London im Jahre 1944 wurde im Juli 1945 in BĂŒnde die Schulbuchabteilung der Bildungsabteilung gegrĂŒndet, um die wichtige Aufgabe zu ĂŒbernehmen, Lehrmaterial zu produzieren, das von Nationalsozialismus, Militarismus und anderen Nazi-Doktrinen unbeeintrĂ€chtigt ist.âcite-ref-28[28] Im Umfeld dieser Schulbuchabteilung war auch die Verleger- und SchulbuchausschuĂ-Konferenz angesiedelt, auf der das Konzept der Lesebogen am 22. November 1946 vorgestellt wurde.cite-ref-lesebogen-21-4[21] Dort und in Folgekonferenzen kam es auch zu Kontakten mit westdeutschen Verlagen, wie Martha FriedlĂ€nder an Werner Milch berichtete. Im Vorfeld einer solchen Konferenz schreibt sie am 27. April 1947, dass es darum ginge, VertrĂ€ge mit zunĂ€chst vier Verlagen unter Dach und Fach zu bringen, und kommt dann auf die damit verbundenen Schwierigkeiten zu sprechen: âEs stockt wieder mal alles. Vielleicht sehe ich die Herren [Verleger] in BĂŒnde, wohin ich morgen zu einer 3tĂ€gigen Sitzung fahre. Es spricht vieles dafĂŒr, auch einen Verlag in der frz. Zone Lesebogen anzubieten. Dagegen spricht, die weite Entfernung. Jeder Bogen erfordert hĂ€ufigen Briefwechsel ĂŒber alle möglichen Fragen, nach Köln zu Schaffenstein dauert ein Brief schon oft 8 Tage. Ausserdem wĂ€re es gut, wenn nicht zu viele Verlage beteiligt sind, das kompliziert ja auch sehr.âcite-ref-29[29] Nach der Konferenz zeichnete sich aber dennoch ein Hoffnungsschimmer ab, wie sie am 5. Mai an Werner Milch berichten konnte: Einige Lesebogen sollten im Laufe des Sommers 1947 bei Westermann erscheinen, andere im MĂ€rkischen Verlag. Zugleich berichtete sie aber auch, dass sich die Verweigerungen von Nachdruckrechten hĂ€ufen, sowohl seitens deutscher als auch amerikanischer Verlage.cite-ref-30[30]
Ob sich damit die Hoffnungen seitens des G.E.R. erfĂŒllt haben, âdass es uns gelungen ist, in der Ferne einen guten Beitrag zum Neuaufbau der deutschen Erziehung zu leisten, und dass unsere BemĂŒhungen nun bald ihr Ziel erreichen können in der Drucklegung und Veröffentlichung der vorliegenden Manuskripteâ,cite-ref-lesebogen-21-5[21] muss offen bleiben. Weder im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) noch im Online-Katalog des Georg-Eckert-Instituts fĂŒr internationale Schulbuchforschung lassen sich dafĂŒr eindeutige Belege finden. Allerdings: Auf der schon zitierten Seite des London Institute of Education zur âBestandsĂŒbersicht Lesebogenâ findet sich der Hinweis auf einen Streit mit dem Georg-Westermnaan-Verlag um die Verlagsrechte fĂŒr Alan Alexander Milnes Buch Winnie-the-Pooh. Eben darĂŒber erschien 1948 in der Reihe Westermann-Texte ein vierzigseitiges Heft, bearbeitet von Fritz Schneider.cite-ref-31[31] In dieser Reihe erschien auch der einzige dem G.E.R. direkt zurechenbare Text: La Vie de Pasteur (Extraits) / Pasteur Vallery-Radot. Als SchullektĂŒre hrsg. von German Educational Reconstruction, bearb. von Fritz Oeding.cite-ref-32[32] Ob weitere Lesebogen in dieser Reihe aufgegangen sind, ist unklar.
Weitere Hinweise auf die Lesebogen ergeben sich aus einer Studie von Gisela Teistler. Sie spricht zwar von Leseheften, meint aber damit offensichtlich die Lesebogen: âDie von der G.E.R. initiierten Publikationen enthielten nicht nur zwei Sammlungen, sondern zudem Stifters Hagestolz in einer weiteren Reihe der G-E-R-Lesehefte, die offensichtlich nicht fortgesetzt wurde. [âŠ] Auch zwei Hefte der Serie Helden des Friedens (in der Gruppe Geschichte) wurden herausgegeben von der G.E.R. (Curie;Valery-Radot). AuĂerdem erschienen im PĂ€dagogischen Verlag Schulz in Berlin von Wiechert: Von den treuen Begleitern. â Andere Materialien erschienen in Göttingen im Verlag Ăffentliches Leben, die nicht unbedingt fĂŒr den Schulgebrauch gedacht waren, weshalb sie in der Liste der neuen SchulbĂŒcher hier nicht aufgefĂŒhrt sind (Silone: Der Fuchs; Keller: Die Verantwortung tragen wir alle; Traven: Ăl und Land; Sejfullino: Der AusreiĂer; Benedict: Rassenforschung und Rassentheorie).âcite-ref-33[33]
Der erwÀhnte Hagestolz von Adalbert Stifter wird im Katalog der DNB als GER-Leseheft 1 ausgewiesen.cite-ref-34[34] Die zwei Sammlungen, auf die Teistler verweist, sind ebenfalls bei Westermann erschienen:
âą Von Natur und Menschenleben. Gedichte aus der Zeit von Goethe bis Dehmel, erschienen 1947 als G-E-R-Leseheft 2;
âą Der Regenbogen. Eine Anthologie deutscher Gedichte von Liliencron bis in die Gegenwart, erschienen 1948 als G-E-R-Leseheft 3.cite-ref-35[35]
An anderer Stelle erwĂ€hnt Teistler die vom G.E.R. initiierte Reihe Helden des Friedens, âderen Veröffentlichung nun mit Hilfe des Arbeitskreises um Eckert unterstĂŒtzt wurde. [âŠ] Schon im September 1946 wurde die Veröffentlichung dieser Serie auf einer Tagung des Braunschweigischen Landes-Lehrbuchausschusses beschlossen [âŠ]; die ersten BĂ€nde erschienen jedoch erst 1948, was ein weiteres Mal die EngpĂ€sse in der Papierversorgung vor Augen fĂŒhrt.âcite-ref-36[36] Elf Hefte seien in dieser Reihe erschienen, deren Besonderheit es gewesen sei, dass sie den Blick nicht auf groĂe StaatsmĂ€nner und Kriegshelden der Geschichte gelenkt habe. Sie befassten sich stattdessen âmit WohltĂ€tern und Friedenhelden des Alltags in einer Auswahl von Kurzbiografien verschiedener fĂŒr die Menschheit bedeutender Persönlichkeiten wie Abbe, Curie, Edison, Beethoven, Nansen, Pasteur, Kagavam Schweitzer, Livingstone, Rasmussen und Tolstoi. [âŠ] Auch hier wurde ein anderer Zugang zur Geschichte gewĂ€hlt, der gleichermaĂen einer Friedenserziehung dienen sollte.âcite-ref-37[37]
Personelle Vorbereitungen auf die RĂŒckkehr nach Deutschland
Im Nachlass von Hildegard-Feidel-Mertzcite-ref-38[38] gibt es Unterlagen, die belegen, dass schon frĂŒh darĂŒber nachgedacht wurde, welche Personen man fĂŒr den Wiederaufbau des Bildungswesens im Nachkriegsdeutschland gewinnen könne. Dabei ging es nicht nur um Emigrantinnen und Emigranten in England, sondern auch in vielen anderen EmigrationslĂ€ndern. So taucht z. B. in der Liste auch Alfred Dang auf, der zu der Zeit an der Pestalozzi-Schule Buenos Aires arbeitete. Eine erste Liste vom 21. Juli 1944 umfasste 198, die allerdings vom âCentral European Joint Committeeâ herausgeben worden war und von Fritz Demuth an G.E.R. ĂŒbersandt wurde.cite-ref-39[39] Demuth war der Leiter der Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland und verfĂŒgte ĂŒber hervorragende Kontakte zu emigrierten deutschen Wissenschaftlern. Unklar ist allerdings, ob die von ihm ĂŒbersandte Liste von ihm stammte oder mehr ein Produkt des âCentral European Joint Committeeâ war. Dieses Komitee nĂ€mlich war eine Einrichtung des âMinistry of Economic Warfare, parent of the Special Operations Executive, formed by Churchill to âset occupied Europe ablazeâ by sabotage, assassination and a multitude of dirty tricksâ, bei dem zum Beispiel auch Hilde Meisel.cite-ref-40[40]
Weitere solche Listen existieren aus dem Jahre 1946, die G.E.R. selber zuzurechnen sind. Sie basieren offenbar auf Bewerbungen rĂŒckkehrwilliger Emigranten, die sich mit Lebenslauf, Ăbersicht ĂŒber die damalige TĂ€tigkeiten und Zukunftsabsichten vorstellten. Ein Beispiel aus der 86 Namen umfassenden Zusammenstellung ist Dr. Max A. Warburg, der Sohn von Aby Warburg. Max Warburg lebte damals in den Niederlanden und war Lehrer an der QuĂ€kerschule Eerde. In seinem von Holland aus verfassten Bewerbungsschreiben vom 11. September 1945 heiĂt es:
â«During the last year, under the pressure of German occupation in this country, the problem of German re-education has become a most imperative concern to my wife and me.» (siehe beigefĂŒgte Manuskripte!) «Our efforts to enter Germany have until now been in vain. As isolated individuals we shall hardly ever have a chance to get there lacking any contact with the competent authorities and organized groups working for the purpose we have chosen. Obviously Holland, on thies regard, is a dead end.» (Schon ĂŒber B.Bracey und die QuĂ€ker beantragt, auf die Liste von GER gesetzt zu werden, Mitgliedschaft wird beantragt.) «Belonging to your association would free us from a feeling of isolation which is gradually overcoming us here (though individually we are meeting with some understanding and would give us some hope to reach our Goal before becoming apopleptic or beeing blessed by the next war.»cite-ref-warburg-41-0[41]â
Das Zitat ist nicht nur interessant, weil es etwas ĂŒber die GefĂŒhlslage und die Hoffnungen von Menschen aussagt, die bereits 12 Jahre in der Emigration gelebt haben, sondern auch wegen der beiden jeweils in runde Klammern gesetzten EinschĂŒbe, die von einem Verantwortlichen von G.E.R. stammen.
Der erste Einschub verweist auf ein mehr als dreiseitiges Konzept âA Project for adult Re-Education in Germanyâ, das Warburg seiner Bewerbung beigefĂŒgt hatte und in dem er seine Vorstellungen einer notwendigen Reeducation begrĂŒndet. Seine Sorge gilt vor allem den 17- bis 25-jĂ€hrigen Deutschen und den vielen sich darunter befindenden Ex-Soldaten. In dieser Gruppe sieht er die jungen Menschen, die einerseits in der Schule besonders stark durch die Nazi-Ideologie beeinflusst worden seien, oder jene, denen durch ihre MilitĂ€rzeit die Möglichkeit zu einer umfassenden Bildung vorenthalten worden sei. Warburg redet einer intellektuellen und politischen Reeducation das Wort und setzt einen eigenen Akzent in der eingangs erwĂ€hnten Diskussion um die Begriffe âReeducationâ und âReconstrutionâ. FĂŒr ihn sind das keine sich wechselseitig ausschlieĂenden Konzepte: âWiederaufbau und Umerziehung sind im Wesentlichen dasselbe. Sie sind eng miteinander verbunden. Der technische Wiederaufbau wird ohne geistiges und intellektuelles Fundament eine tote Maschinerie sein, und die Theorie ohne Praxis wird eine LĂŒge sein. [âŠ] Der deutschen Jugend muss eine konstruktive und inspirierende Idee angeboten werden, ein Lebensinhalt, der die militaristische Ideologie ersetzt.âcite-ref-warburg-41-1[41]cite-ref-42[42] Der zweite Einschub verweist einmal mehr auf die QuĂ€ker als wichtige Kooperationspartner des G.E.R. Deren UnterstĂŒtzung fĂŒr politisch Verfolgte in Deutschland und dann von Emigranten und Emigranteneinrichtungen scheint immer noch nur eher beilĂ€ufig ein Forschungsgegenstand zu sein, umfassende Gesamtdarstellungen im deutschsprachigen Raum fehlen. Warburg war selber Lehrer an einer Schule im Exil, der QuĂ€kerschule Eerde, die nur mit UnterstĂŒtzung der QuĂ€ker hatte gegrĂŒndet werden können. FĂŒr diese Schule war Bertha Bracey â wie auch bei der GrĂŒndung des G.E.R. â eine wichtige Geldbeschafferin.
â
Hauptartikel
:
Bertha Bracey
Max Warburg und seine Fau Josepha sind nicht nach Deutschland zurĂŒckgekehrt, sondern 1947 von den Niederlanden aus nach England ĂŒbergesiedelt.cite-ref-43[43]
Nachkriegszeit
âNach dem Krieg kehrten die meisten aktiven deutschen Mitglieder des GER so schnell wie möglich nach Deutschland zurĂŒck. In der Folge erlebte das GER das, was man eine IdentitĂ€tskrise nennen könnte. Sein ursprĂŒngliches Ziel war erreicht, seine Mitglieder zogen nach Deutschland, und so wurde 1946 das Thema der Auflösung der Organisation diskutiert. Es waren die ausscheidenden deutschen Mitglieder, die es fĂŒr notwendig hielten, das Interesse der Briten an der deutschen Bildung aufrechtzuerhalten. Deshalb verabschiedete das GER eine neue Satzung mit neuen und erweiterten Zielen zur Schaffung einer starken und dauerhaften Beziehung zwischen GroĂbritannien und Deutschland im Bereich Bildung und Soziales.cite-ref-papers-of-sydney-herbert-wood-10-2[10]cite-ref-44[44]â
Diese etwas generalisierende Situationsbeschreibung ist nicht ganz zutreffend. Mit der RĂŒckkehr nach Deutschland war es nĂ€mlich nicht so einfach, wie sich Fritz Eberhard erinnert.
âMeine Ausreise erfolgte 1945 mit Hilfe der Amerikaner, in einem ausrangierten Bombenflugzeug nach BrĂŒssel, dann mit dem Auto nach Maastricht. Dort habe ich gewartet und bin noch einmal nach Köln gefahren, zusammen mit Rosenberg ĂŒbrigens, dem spĂ€teren Vorsitzenden des DGB. Die Besichtigung von Köln wurde von den Amerikanern arrangiert. WĂ€hrend die EnglĂ€nder zunĂ€chst keine Emigranten heimlieĂen, waren die Amerikaner dazu bereit, geeignete Ermigranten sozusagen als Sauerteig nach Deutschland zu bringen - sie zeigten uns Köln und fragten uns, nachdem wir dieses schreckliche TrĂŒmmerfeld gesehen hatten: âWollen Sie wirklich noch nach Deutschland? Wir bringen Sie auch wieder nach England zurĂŒck.â Wir wollten alle nach Deutschland.cite-ref-45[45]â
Doch selbst dann, als die Ausreise nach Deutschland in stĂ€rkerem MaĂe möglich wurde, sind nicht alle deutschen Mitglieder des G.E.R. sofort nach Deutschland zurĂŒckgegangen, und es gab weiterhin noch AktivitĂ€ten in England.
âEine besondere Rolle spielte dabei das Lager Wilton Park. Es war eins von vielen britischen Lagern fĂŒr deutsche Kriegsgefangene. Etwa 4.000 Kriegsgefangene, weniger als ein Frozent aller Kriegsgefangenen in England, konnten zwischen Januar 1946 und Juni 1948 einen der anspruchsvollen akademisch geprĂ€gten Unterrichtskurse besuchen, die dort fĂŒr spĂ€tere pĂ€dagogische Multiplikatoren in Deutschland angeboten wurden. Einige junge Deutsche, die 1947 Wilton Park besuchten, entschieden sich spĂ€ter fĂŒr eine TĂ€tigkeit in der Erwachsenenbildung.cite-ref-46[46]â
Insgesamt aber ist es naheliegend, dass sich der Schwerpunkt der Arbeit nun auf AktivitĂ€ten in und fĂŒr Deutschland verlagerte. Mit Hilfe einer in Bonn ansĂ€ssigen Schwesterorganisation wurden Hilfsaktionen der verschiedensten Art initiiert. Das G.E.R. organisierte den Versand von Tonnen von BĂŒchern fĂŒr den Vertrieb an deutsche UniversitĂ€ten, Schulen und Bibliotheken. FĂŒr diese Materialien wurde in GroĂbritannien intensiv geworben, wie dieser Aufruf von Sydney H. Wood und dem damaligen SektetĂ€r des G.E.R., Erich Hirsch zeigt:
âWir möchten Ihre Leser um BĂŒcher, BroschĂŒren, Zeitschriften und schulische AusrĂŒstung fĂŒr Deutschland bitten. Deutschland ist seit vierzehn Jahren kulturell isoliert und viele wertvolle BĂŒcher in Bibliotheken und PrivathĂ€usern wurden von den Nazis und durch Kriegshandlungen zerstört. Wenn ein stabiles Deutschland aus dem gegenwĂ€rtigen Chaos hervorgehen soll, ist es unerlĂ€sslich, dass eine groĂe Zahl von MĂ€nnern und Frauen in kĂŒrzester Zeit ausgebildet wird, und dies ist nur möglich, wenn genĂŒgend Lehrmaterial zur VerfĂŒgung steht. Der Bedarf an BĂŒchern und Zeitschriften ist zum Verzweifeln, vor allem in den Bereichen Bildung, Technik, Politik und Wirtschaft. Deutsche Schulen brauchen auch Schulhefte, Stifte, Kreide und anderes Schulmaterial. Wir haben das GefĂŒhl, dass es viele Menschen gibt, die ein oder zwei ĂŒberflĂŒssige BĂŒcher in ihren BĂŒcherregalen haben, oder Zeitschriften, fĂŒr die sie keine weitere Verwendung haben, nachdem sie sie gelesen haben.cite-ref-47[47]â
Nicht weniger wichtig waren persönliche Begegnungen, und das schon bald nach Kriegsende. âSo wurden auf Veranlassung von GER schon sehr frĂŒh nach der Niederlage des Nationalsozialismus deutsche Vertreter des Erziehungswesens nach England eingeladen. Unter der Leitung von Adolf Grimme, dem niedersĂ€chsischen Kultusminister, besuchte eine deutsche Delegation im Juni 1946 England. In VortrĂ€gen, Sitzungen und GesprĂ€chen mit englischen und deutschen Kollegen, mit hohen Beamten und Ministern, mit Vertretern der MilitĂ€rregierung, mit Politikern, mit PĂ€dagogen, Journalisten und deutschen Kriegsgefangenen berichteten sie ĂŒber die geistigen und materiellen BedingnngĂžn in Deutschland.âcite-ref-48[48] Und ĂŒber ein âOxforder GesprĂ€châ berichtete Die Zeit am 9. Juni 1949, zu dem sich zum ersten Mal nach dem Kriege britische und deutsche Nationalökonomen zusammengefunden hĂ€tten. âDaĂ man als erstes Fachtreffen die Wirtschaftswissenschaftler der beiden LĂ€nder zusammenbrachte, war deshalb in mehr als einer Hinsicht ein glĂŒcklicher Griff der German Educational Reconstruction, jener vom Geist der HumanitĂ€t getragenen privaten Organisation, die nichts von dem Beigeschmack ihrer vor sieben Jahren gewĂ€hlten Bezeichnung an sich hat.âcite-ref-49[49]
Auch der Jugendaustausch gehörte zu den wichtigen AktivitÀten des G.E.R. unter dessen NachkriegssekretÀr Erich Hirsch. Englischen Jugendgruppen wurde die Möglichkeit geboten, nach Deutschland zu reisen, wÀhrend umgekehrt deutschen Jugendgruppen und Einzelpersonensowie durch das G.E.R. Studienreisen nach England finanziert und arrangiert bekamen. Ein besonderes Highlight scheinen in diesem Kontext die ErnteeinsÀtze in England gewesen zu sein.
âDas Ernte-Camp-Programm war eine weitere Möglichkeit, durch die Deutsche nach England reisen konnten. Es hat seinen Ursprung im Landwirtschaftsministerium. Das Programm umfasste mĂ€nnliche, weibliche und kriegsversehrte Studenten, die Lager in Middlesex, Oxfordshire, Lincolnshire, Essex und Wiltshire besuchten, um bei landwirtschaftlichen Arbeiten und Erntearbeiten zu helfen. Die Initiative zur Einbindung deutscher Studierender kam von der deutschen Versorgungsabteilung des AuswĂ€rtigen Amtes. Von den Campern wurde erwartet, dass sie mindestens 36 Stunden pro Woche arbeiten. Aufgrund der Initiative des GER konnten UniversitĂ€ts- und Hochschulstudenten aus den britischen, amerikanischen und französischen Zonen Deutschlands teilnehmen. Es wurde Arbeitskleidung gestellt, wasserfeste aus dem Kriegsministerium und Kleidung und Schuhe aus privaten Quellen. Camper, die unter der Schirmherrschaft der GER teilnahmen, wurden ermutigt, ihren Lagerlohn zu sparen, um fĂŒr die Zeit nach der Ernte einen Urlaub in England finanzieren zu können. Das GER arbeitete zusammen mit seinen Mitgliedern und Kontaktleuten daran, deutsche Ernte-Helfer nach ihrem Aufenthalt in den Camps in britischen HĂ€usern in GroĂbritannien beherbergen zu können. 1954 beschloss das Landwirtschaftsministerium, keine weiteren Lager zu betreiben. Ab der Saison 1955 wurden einige Lager von der National Farmer's Union oder privaten Aufsehern ĂŒbernommen. Im Jahre 1958 beschloss die GER, das Ernteprogramm nicht zu wiederholen.cite-ref-50[50]â
Von 1946 bis 1951 gab das G.E.R. eine eigene Zeitschrift heraus, das von Paul P. Bondy betreute Bulletin. Das Bulletin erschien zunĂ€chst abwechselnd in Deutsch und Englisch, spĂ€ter nur noch auf Englisch. Schwerpunkte der Berichterstattung waren die AktivitĂ€ten der Organisation und die Bedingungen in Deutschland. Das Archiv des âInstitute of Educationâ am âUniversity College Londonâ sieht in den Veröffentlichungen des Bulletin eine bis heute wichtige Quelle fĂŒr die Sozialgeschichtsforschung. âIt is therefore a valuable resource for social history and on the changing attitudes between Britain and Germany.â
Das Ende des G.E.R.
Die Normalisierung der VerhĂ€ltnisse im Nachkriegsdeutschland fĂŒhrten zu einem allmĂ€hlichen Bedeutungswandel und schlieĂlich auch Bedeutungsverlust der Arbeit des G.E.R. Es war ein Prozess, der in der Mitte der 1950er Jahre einsetzte und schlieĂlich 1958 zur Beendigung der G.E.R.-AktivitĂ€ten fĂŒhrte.
âBy the mid 1950s the GER was competing with other organisations in the field of Anglo German relations. Many felt that the period of reconstruction was coming to an end also that the promotion of Anglo-German exchange was being carried out successfully elsewhere. This raised the questions of the necessity and relevance of the GER. In an atmosphere of changing British attitudes towards Germany and increased competition for charitable funding the GER was finally wound up in 1958.cite-ref-papers-of-sydney-herbert-wood-10-3[10]â
Quellen
Das umfangreiche Archivmaterial ĂŒber das G.E.R. befindet sich in der UCL Institute of Education Library (IoE-Library). Es gibt dort allerdings kein online zugĂ€ngliches Volltext-Archiv, sondern lediglich thematisch geordnete BestandsĂŒbersichten.
âą G.E.R. â Allgemein: Die Seite German Educational Reconstruction (GER): An introduction bietet eine knappe EinfĂŒhrung. Am FuĂ der Seite kann man sich direkt zur BestandsĂŒbersicht begeben oder diese ĂŒber den folgenden Link direkt aufrufen: IoE-Library: BestandsĂŒbersicht GER
⹠Die IoE-Library bietet aber auch noch einen strukturierteren Zugang zu dem sehr umfangreichen Material an: German Educational Reconstruction (GER): War and Peace Von dieser Seite aus öffnen sich Links zu insgesamt vier Themenbereichen:
âą Understanding the organisation: to get a better understanding of what the GER was, who they represented and their philosophy start with the central administrative papers, bulletins and reports.
âą Help Schemes: the GER includes a number of post-war schemes, including: encouraging British people to help German Prisoners of War, the repatriation of German educationist, training for social workers, and the collection of books to be sent to Germany.
âą Exchanges & Visits: one of the GER's central roles was to organise a range of exchanges between Britain and Germany. Such exchanges could be for particular groups (e.g. drama, football), activities (e.g. harvest camps), exchange holidays, or information gathering visits made by German educationists from as early as 1947.
âą Correspondence: a substantial part of the collection comprises correspondence files between a large number of people. The catalogue includes the names of all those who wrote to the GER, so a simple name search on the catalogue is the best way to find any items that may be in the collection.
âą Auf der Seite Suchmaske IoE-Library-Archivsuche lassen sich weitere thematische oder personenbezogene Ăbersichten ĂŒber das Archivmaterial erstellen.
âą IoE-Library-Archivsuche: BestandsĂŒbersicht Sydney Herbert Wood
âą Der Ursprung der GER-Lesebogen. In: Hildegard Feidel-Mertz: PĂ€dagogik im Exil nach 1933. Erziehung zum Ăberleben. Bilder einer Ausstellung. dipa-Verlag, Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-7638-0520-6, S. 239â241. Feidel-Mertz hat diesem Text die folgende Anmerkung hinzugefĂŒgt: âVorgetragen auf der Verleger- und Schulbuch-AusschuĂ-Konferenz in BĂŒnde am 22.11. 1946 von Martha FriedlĂ€nder.â Das erweckt den Eindruck, als sei Martha FriedlĂ€nder auch die Autorin dieses Textes gewesen. Waltraud Strickhausen geht dagegen davon aus, dass dieser Text vermutlich von Werner Milch stammt und verweist auf die Dokumentenbezeichnung im G.E.R.-Archiv des London Institute of Education: âThe Secretary (GER): Der Ursprung der GER-Lesebogen. Vorgetragen auf der Verleger- und Schulbuch-Ausschuss-Konferenz in BĂŒnde am 22.11.1946 von Martha FriedlĂ€nder. In GER, Dokument Nr. 1278/1 und 2.âcite-ref-51[51] Das von Strickhausen zitierte Dokument stammt aus dem Bestand
âą GER/4/4 - Lesebogen Production (1943â1949) der IoE-Library, der auch die komplette Korrespondenz von Martha FriedlĂ€nder im Zusammenhang mit den Lesebogen enthĂ€lt. Dort findet sich kein Hinweise auf diesen Vortrag, noch auf Martha FriedlĂ€nders Teilnahme an dieser Veranstaltung, die drei Monate nach ihrer RĂŒckkehr nach Deutschland stattfand. Zweifel sind auch deshalb angebracht, weil Werner Milch am 8. August 1946 Martha FriedlĂ€nder mitgeteilt hatte, dass der GER Richard Schmidt (Göttingen) eine Vollmacht des GER erteilt habe fĂŒr die Verhandlungen um die Lesebogen.cite-ref-52[52]
Literatur
âą Fritz Borinski: Die Geschichte von G.E.R. [German Educational Reconstruction Committee]. In: Die Sammlung. Zeitschrift fĂŒr Kultur und Erziehung. Vandenhoeck & Ruprecht, 1948, S. 49â55.
âą Fritz Borinski: German Educational Reconstruction. RĂŒckblick und Erinnerung. In: Hellmut Becker, Willi Eichler, Gustav Heckmann (Hrsg.): Erziehung und Politik. Minna Specht zu ihrem 80. Geburtstag. Verlag Ăffentliches Leben, Frankfurt 1960, S. 77â89.
âą Hans-Dietrich Raapke: Erwachsenenbildung. In: Christoph FĂŒhr, Carl-Ludwig Furck (Hrsg.): Handbuch der deutschen Bildungsgeschichte, Band VI: 1945 bis zur Gegenwart. Erster Teilband: Bundesrepublik Deutschland. Verlag C.H. Beck, MĂŒnchen 1998, ISBN 3-406-32467-3.
âą Josef Olbrich: Geschichte der Erwachsenenbildung in Deutschland. Leske + Budrich, Opladen 2001, ISBN 3-8100-3349-9.
âą Hildegard Feidel-Mertz: Nachlass im Deutschen Exilarchiv
⹠Fritz Eberhard: Arbeit gegen das Dritte Reich. (= BeitrÀge zum Thema Widerstand. 10). GedenkstÀtte Deutscher Widerstand, Berlin 1981. (online; PDF)
âą Gisela Teistler: SchulbĂŒcher und Schulbuchverlage in den Besatzungszonen Deutschlands 1945â1949. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-447-10733-4.
Einzelnachweise
cite-note-11. â Hans-Dietrich Raapke: Erwachsenenbildung. S. 556.
cite-note-22. â Josef Olbrich: Geschichte der Erwachsenenbildung in Deutschland. 2001, S. 322.
cite-note-ger-papers-33. â Zur EinfĂŒhrung: German Educational Reconstruction (GER): An introduction. Der Link zur Ăbersicht ĂŒber die umfangreichen Archivmaterialien: London Institute of Education: BestandsĂŒbersicht GER (Memento des Originals vom 24. MĂ€rz 2018 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/archive.ioe.ac.uk. âGerman Educational Reconstruction (GER) was a voluntary organisation founded in London in 1943 with the aim of helping German refugee educationists to prepare for their post-war return to Germany. Their main consideration was the restructuring of the German school system on âdemocratic principlesâ. After the War the emphasis shifted toward promoting Anglo-German relations by acting as an information bureau and means of communication and exchange between British and German educationists. GER undertook a wide variety of activities, including organising conferences, lectures, and study groups; co-operating with other voluntary bodies; arranging visits and youth work; publishing and distributing memoranda, pamphlets and textbooks. It was wound up in 1958.â
cite-note-44. â Fritz Lustig, zitiert nach dem Artikel Ich bin seit 76 Jahren illegaler Immigrant von Sebastian Borger, in: Frankfurter Rundschau, Ausgabe 272 vom 21. November 2016, S. 14â15.
cite-note-55. â Josef Olbrich: Geschichte der Erwachsenenbildung in Deutschland. 2001, S. 321.
cite-note-66. â Fritz Eberhard: Arbeit gegen das Dritte Reich. S. 25.
cite-note-77. â Josef Olbrich: Geschichte der Erwachsenenbildung in Deutschland. 2001, S. 322.
cite-note-borinski-ger1960-88. â Fritz Borinski: German Educational Reconstruction. RĂŒckblick und Erinnerung. In: Hellmut Becker, Willi Eichler und Gustav Heckmann (Hrsg.): Erziehung und Politik. Minna Specht zu ihrem 80. Geburtstag. Verlag Ăffentliches Leben, Frankfurt, 1960, S. 77â89.
cite-note-99. â 1938 war Ilmari Federn SekretĂ€r der Organisation Universelle de Langue Internationale âOccidentalâ; siehe auch: Ilmari Federn im WorldCat
cite-note-papers-of-sydney-herbert-wood-1010. â London Institute of Education: BestandsĂŒbersicht Sydney H. Wood (Memento des Originals vom 24. MĂ€rz 2018 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/archive.ioe.ac.uk
cite-note-1111. â Sydney Wood to Give Lecture On German Education Revived. In: The Cornell Daily Sun. 29. Oktober 1948, im Archiv der Cornell University. â[âŠ] after having been the head of the teacher training division since 1938. For eight years he was also in charge of the ministryâs department of intelligence and foreign relations. At the end of World War II he was instrumental in the establishment of Englandâs Emergency Training Colleges for ex-servicemen and women. Since the war he has represented the ministry at the International Education Conference in Australia.â
cite-note-1212. â Werner Burmeister ist nicht zu verwechseln mit dem SA- und NSDAP-Mitglied Werner Burmeister. Biographie des Antifaschisten in: Guthrie Moir, Beyond hatred. Lutterworth, London 1969, S. 86. Danach S. 87 â 102 Ein Bericht Burmeisters ĂŒber seine Zeit als Enemy Alien in Kanada 1940 â 1941 (engl.)
cite-note-1313. â Ăber den Sozialphilosophen gibt es einen Artikel in der WIKIPEDIA-EN: en:John Macmurray
cite-note-1414. â Josef Olbrich: Geschichte der Erwachsenenbildung in Deutschland. 2001, S. 322.
cite-note-1515. â Josef Olbrich: Geschichte der Erwachsenenbildung in Deutschland. 2001, S. 322.
cite-note-1616. â Ein Teil dieser Schriften wird ĂŒber den Suchbegriff âGerman Educational Reconstructionâ im Katalog der DNB nachgewiesen. Die nachfolgende Zusammenstellung ist auf der RĂŒckseite der BroschĂŒre von Specht/Rosenberg zu finden.
cite-note-1717. â Bei diesem Co-Autor von Minna Specht handelt es sich nicht um den Mystiker und Symbolforscher Alfons Rosenberg, auf den auch im Katalog der DNB fĂ€lschlicherweise verlinkt wird, sondern um einen ehemaligen Studienassessor an der Karl-Marx-Schule (Berlin-Neukölln), der nach seiner Entlassung aus dem Schuldienst nach England floh und fĂŒr die BBC arbeitete. Vergleiche hierzu Minna Specht, Einzelnachweis 2.
cite-note-1818. â Vergleiche hierzu Fritz Eberhard
cite-note-1919. â Fritz Borinski: The German Volkshoch-schule. An Experiment in Democratic Adult Education under the Weimar Republic. Herausgegeben, eingeleitet und mit Annotationen und einem prosopographischen Anhang versehen von Martha Friedenthal-Haase, Verlag Julius Klinkhardt KG, Bad Heilbrunn, 2014, ISBN 978-3-7815-1968-8.
cite-note-2020. â Ilse Fischer: Minna Specht â eine politische PĂ€dagogin. Das Buch wurde 2005 neu herausgegeben: Gesinnungswandel im Katalog der DNB.
cite-note-lesebogen-2121. â Der Ursprung der GER-Lesebogen
cite-note-2222. â Bestand GER/4/4 - Lesebogen Production (1943â1949) der IoE-Library
cite-note-2323. â Ins Deutsche ĂŒbersetzte BĂŒcher von ihm sind noch in zahlreichen Antiquariatskatalogen zu finden.
cite-note-2424. â Chiang Yee in der WIKIPEDIA-EN: en:Chiang Yee
cite-note-2525. â Bestand GER/4/4 - Lesebogen Production (1943â1949) der IoE-Library, Dokument 1337
cite-note-2626. â PPA-Mitglieder: Richard Schmidt (Memento des Originals vom 17. April 2018 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.philosophisch-politische-akademie.de & Stadtarchiv Göttingen: Die Buchhandlung PeppmĂŒller unter der Leitung von Anni und Richard Schmidt
cite-note-2727. â Simone LĂ€ssig: Das Schulbuch als Politikum, Der Tagesspiegel, 14. August 2014.
cite-note-2828. â David Phillips: Investigating Education in Germany. Historical studies from a British persepective. Routledge, London und New York, 2016, ISBN 978-1-138-85421-5, S. 66. âAfter preliminary work in London during 1944, Textbook Section of Education Branch was set up in July 1945 in BĂŒnde to take on the important task of producing teaching material untainted by nationalsim, militarism and other Nazi doctrines.â
cite-note-2929. â Bestand GER/4/4 - Lesebogen Production (1943â1949) der IoE-Library, Dokument 1359/1-2
cite-note-3030. â Bestand GER/4/4 - Lesebogen Production (1943â1949) der IoE-Library, Dokument 1361/1-2
cite-note-3131. â Winnie the Pooh / A. A. Milne. Bearb. von Fritz Schneider
cite-note-3232. â La Vie de Pasteur (Extraits) im Katalog der DNB
cite-note-3333. â Gisela Teistler: SchulbĂŒcher und Schulbuchverlage in den Besatzungszonen Deutschlands 1945â1949. 2017, S. 179. Der von Teistler erwĂ€hnte Verlag Ăffentliches Leben gehörte dem ISK und wurde von Hanna Bertholet geleitet (geborene Grust, und nach erster Ehe Hanna FortmĂŒller (* 24. Januar 1901 in Hannover â â 14. Juli 1970 in Brasilien)). Sie war IJB- und ISK-Mitglied, SchĂŒlerin der Erwachsenenabteilung des Landerziehungsheims WalkemĂŒhle und Mitarbeiterin in der Verlagsleitung des ISK-Organs Der Funke. Im Exil lebte sie in Frankreich und in der Schweiz und war dort politisch und in der Hilfe fĂŒr Opfer des Faschismus tĂ€tig. 1946 kehrte sie nach Deutschland zurĂŒck und wurde Leiterin der Verlage Ăffentliches Leben und EuropĂ€ische Verlagsanstalt. FĂŒr ausfĂŒhrlichere biographische Angaben zu Hanna und RenĂ© Bertholet siehe: Martin RĂŒther, Uwe SchĂŒtz, Otto Dann (Hrsg.): Deutschland im ersten Nachkriegsjahr. Berichte von Mitgliedern des Internationalen Kampfbundes (ISK) aus dem besetzten Deutschland 1945/46. K. G. Saur, MĂŒnchen 1998, ISBN 3-598-11349-8, S. 552. Die Seite ist online verfĂŒgbar: Hanna und RenĂ© Bertholet bei Google-Books. Bei dem ebenfalls erwĂ€hnten PĂ€dagogischen Verlag [Berthold] Schulz aus Berlin handelte es sich â neben dem Cornelsen Verlag â um einen der fĂŒhrenden Schulbuchverlage der Nachkriegszeit: âDiese beiden Verlage, die sich als NeugrĂŒndungen im britischen Sektor rasch entwickeln konnten, beherrschten bis 1949 die Schulbuchszene Westberlins und teilten den weitaus gröĂten Anteil an der Schulbuchproduktion in den Westsektoren unter sich auf. Dabei scheint die britische MilitĂ€rregierung im besonderen MaĂe den PĂ€dagogischen Verlag unterstĂŒtzt zu haben, wenn ein Teil der frĂŒheren Schulbuchproduktion mit Sondererlaubnis in der Druckerein des bisher nicht lizenzierten Verlages Velhagen & Klasing in Bielefeld erfolgen konnte.â (Gisela Teistler, S. 208) FĂŒr die Zeit um 1955 sieht sie den Verlag im Niedergang begriffen (Gisela Teistler, S. 210), wozu auch beigetragen habe, dass der Verlag in seinen Anfangsjahren Werke herausgegeben hatte, deren Rechte ursprĂŒnglich beim Diesterweg Verlag lagen und die dieser 1949 wieder zurĂŒckholte. (Gisela Teistler, S. 222). Ein wichtiger Autor des Verlags war Fritz Wuessing.
cite-note-3434. â Adalbert Stifter: Der Hagestolz in der Bearbeitung von Fritz GroĂ, Westermann, Braunschweig, 1947. Der Suchbegriff GER-Leseheft fĂŒhrt im Katalog der DNB zu keinen weiteren Treffern.
cite-note-3535. â Gisela Teistler: SchulbĂŒcher und Schulbuchverlage in den Besatzungszonen Deutschlands 1945â1949. 2017, S. 414. Im Katalog der DNB werden ĂŒber den Suchbegriff G-E-R-Leseheft ebenfalls nur diese beiden Titel gelistet.
cite-note-3636. â Gisela Teistler: SchulbĂŒcher und Schulbuchverlage in den Besatzungszonen Deutschlands 1945â1949. 2017, S. 191. Ăber den Suchbegriff Helden des Friedens werden im Katalog der DND die Titel dieser Reihe angezeigt.
cite-note-3737. â Gisela Teistler: SchulbĂŒcher und Schulbuchverlage in den Besatzungszonen Deutschlands 1945â1949. 2017, S. 192.
cite-note-3838. â Hildegard Feidel-Mertz: Nachlass im Deutschen Exilarchiv, PPE 71
cite-note-3939. â Die Korrespondenz zwischen Demuth und G.E.R. befindet sich im Archiv des âInstitute of Educationâ am âUniversity College Londonâ: Letters from F and W Demuth, of the Emergency Society for German Scholars in Exile, to Werner Milch, 1944â1946
cite-note-4040. â Life and Death of Hilda Monte (Memento des Originals vom 28. November 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.tribunemagazine.org
cite-note-warburg-4141. â Hildegard Feidel-Mertz: Nachlass im Deutschen Exilarchiv, PPE 309
cite-note-4242. â âReconstruction and re-education are essentially the same thing. They are closely interdependant. Technical reconstruction will be dead machinery without a spiritual and intellectual fundament, and theory without practice will be a lie. [âŠ] German youth must be offered a constructive and inspiring idea, a purpose of life replacing militaristic ideology.â
cite-note-4343. â Siehe hierzu: Max Adolph Warburg und Josepha Einstein
cite-note-4444. â âAfter the war most of the GERâs active German members returned to Germany at the earliest opportunity. As a result the GER experienced what might be called an identity crisis. Its original objective had been achieved, its members were departing for Germany, and so, in 1946 the topic of winding the organisation up was discussed. It was the departing German members who felt it was necessary to keep a British focus of interest in German education alive. Therefore the GER adopted at new constitution with new and broadened aims of creating a strong and lasting relationship between Britain and Germany in the field of education and social service.â
cite-note-4545. â Fritz Eberhard: Arbeit gegen das Dritte Reich. S. 22â23.
cite-note-4646. â Josef Olbrich: Geschichte der Erwachsenenbildung in Deutschland. 2001, S. 323.
cite-note-4747. â S. H. WOOD, ERICH HIRSCH Mind, Volume LVI, Issue 222, 1. April 1947, S. 191-bâ191, auch als Mind ĂŒber doi. âWe wish to appeal to your readers for books, pamphlets, periodicals and educational equipment for Germany. Germany has been culturally isolated for the past fourteen years, and many valuable books have been destroyed in libraries and private houses by the Nazis and by acts of war. It a stable Germany is to emerge from the present chaos it is imperative that large numbers of men and women should be trained in the shortest possible time, and this is a possibility only if sufficient educational material is available. The need for books and periodicals is desperate, particularly those dealing with educational, technical, political and economic subjects. German schools also need exercise books, pencils, chalk, and other school equipment. We feel that there are many people who have a spare book or two on their bookshelves, or periodicals for which they have no further use, after having read them.â
cite-note-4848. â Josef Olbrich: Geschichte der Erwachsenenbildung in Deutschland. 2001, S. 323.
cite-note-4949. â Oxforder GesprĂ€che
cite-note-5050. â Das Zitat stammt ursprĂŒnglich von der IoE-Seite ĂŒber Sydney H. Wood. aufgrund eimes verĂ€nderten Archiv-Zugangs ist es nicht mehr aufrufbar, doch bietet das IoE weiterhin einen umfassenden Zugang zu Materialien ĂŒber die Harvest-Camps: IoE-Library-Archivsuche: BestandsĂŒbersicht Harvest Camps (Memento des Originals vom 16. MĂ€rz 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/archive.ioe.ac.uk. âThe Harvest Camp scheme was another means whereby Germans could travel to England. It had itâs origins with the Ministry of Agriculture. The scheme included male, female, and disabled students, who visited camps in Middlesex, Oxfordshire, Lincolnshire, Essex and Wiltshire to assist with agricultural and harvest work. The initiative to involve German students came from German Supply Department of the Foreign Office. Campers were expected to do at least 36 hours of work each week. By the intervention of the GER University and High School Students from the British, American and French Zones of Germany were able to attend. Clothing was supplied, with water proofs coming from the War Office, and clothing and shoes from private sources. Campers who attended under the auspices of the GER were encouraged to save their camp wages to finance a holiday in England after the harvest was completed. The GER worked with its members and contacts to provide hospitality for German campers in British homes during their post-camp stay in the UK. In 1954 the Ministry of Agriculture took the decision not to run future camps. From the 1955 season some camps taken over by National Farmer's Union or private wardens. In 1958 the GER made the decision not to repeat the Harvest scheme.â
cite-note-5151. â Waltraud Strickhausen: âDer Wunsch nach Deutschland zurĂŒckzukehren ehrt ihnâ. Der Exilgermanist Werner Milch und die Marburger âNeuere deutsche Literaturâ nach 1945. In: Kai Köhler, Burghard Dedner, Waltraud Strickhausen (Hrsg.): Germanistik und Kunstwissenschaften im âDritten Reichâ. Marburger Entwicklungen 1920â1950. K. G. Saur Verlag, MĂŒnchen 2005, ISBN 3-598-24572-6, S. 442.
cite-note-5252. â Bestand GER/4/4 - Lesebogen Production (1943â1949) der IoE-Library, Dokument1337